Alte Träume, fürs Archiv, 1

Samstag, 9. Juli 2005: Bärchen
Zwei Mal ist mir heute Nacht mein altes Teddybärchen im Traum erschienen. Es passierte weiter nichts; nur Bärchen war da. Das Tier hat mich zwölf Jahre meines Lebens begleitet – die ersten, wohlgemerkt, was in Deutschland keine Selbstverständlichkeit ist. Als ich um die zwölf war, ist es aus meinem Leben verschwunden, weiß nicht mal wie. Mutter wird es wohl entsorgt haben. Das hatte sie schon mal versucht, als ich zehn war, und das hat geschmerzt. Als ich etwas wegwerfen wollte und den Mülleimer öffnete, lag Bärchen oben auf dem Müll. Natürlich habe ich es heraus genommen und bin zu Mutter. Sie hatte es weggeworfen, sagte sie, weil es so kaputt und dreckig geworden war. Als ob das wichtig wäre! Ich muß ziemlich geweint haben, denn darauf hat sie sich korrigiert: sie hat Bärchen gewaschen und geflickt, so das alles wieder gut war. So gut wenigstens, wie es in dieser Welt sein kann. Kurz davor hatte ich auch schon meine Katze tot auf einem Müllhaufen gefunden: überfahren und von jemandem zur Seite geworfen. Die war nicht mehr zu reparieren. Bald liege ich selbst auf dem Müll. Homo qui quasi flos egreditur arescit et fugit velut umbra.
Ich habe mein Bärchen damals gebraucht und geliebt, aber anders als die Deutschen. Für die ist der Bär ein Totemtier. Es gibt erstaunlich viele erwachsene Männer, die in ihrer Wohnung einen Teddybär aufgestellt haben, oder auch mehrere. Dann gibt es noch den Reise-Teddy, ein kleines Exemplar das unter an dem Rücksack hängt. Sie ernähren sich gerne mit Fleisch von Gummi-Bärchen, in dem Gedanken, daß sie so die Kraft des Tiers in sich aufnehmen. Von daher sind sie so kräftig geworden.
Bei Frauen habe ich keine Totemtiere gesehen, nur Puppen manchmal; aber nicht so oft.

Samstag, 25. Juni 2005: Brot
Mein Chef überreichte mir im Traum einen Brotlaib und auf einmal verstand ich es: das war gemeint als letzte Gehaltszahlung. Es solle bis ende des Monats reichen und danach käme nichts mehr.
(Aber mein etwaiger Jobwechsel findet erst 2006 statt, und wie ich dieses Land kenne, wird die Gehaltszahlung nahtlos weiter gehen.)

Sonntag, 12. Juni 2005: Erzählzeit und erzählte Zeit
Einmal hatte ich einen Traum mit einer Handlung, die endete mit einem lauten Knall. Als ich dadurch aufwachte, verstand ich, daß es ein Türknall gewesen war: meine Mitbewohnerin war wie immer früh zur Arbeit gegangen. Aber im Traum war doch schon vor dem Knall eine Reihe von Geschehnissen abgelaufen, die zu diesem Knall geführt hatte? Wie kam dann die „Erzählung” im Traum zustande? Gab es erst den Knall und wurde die Handlung im Nachhinein zugefügt? Das würde bedeuten, daß es in der Traumwelt kein früher oder später, keine Zeit gibt, wie in der Ewigkeit auch. Oder gab es erst die Handlung, die der Traum virtuos in Richtung Knall umgestaltet hat, als es diesen plötzlich gab? Nein, das geht nicht. Oder vielleicht gibt es im Traum gar keine Handlung, und ist diese nur das mangelhafte Hilfsmittel, mit dem sich der Aufgewachte eine Weile seines Traums erinnert, weil er nichts anderes kann als fabulieren und strukturieren. Ja, so wird es sein.

Sonntag, 12. Juni 2005: Offenbarungen
Im Traum höre oder lese ich gelegentlich einen Satz, oder auch zwei. Manchmal in Fremdsprachen, einmal sogar in Indonesisch, eine Sprache die ich längst vergessen habe, aber die sich offenbar noch im Unterbewußtsein befindet. Ich habe dann einen Indonesier gefragt, ob der Satz stimmte, und das war der Fall. In Wachzustand hätte ich diesen Satz nie bilden können.
Kommen so auch „Offenbarungen” zustande? Solche Sätze geben dem Träumenden das Gefühl, daß sie von außerhalb kommen. Wenn nun jemand eine besondere Veranlagung dazu hat und längere Sätze geliefert bekommt, die überdies einen nicht so banalen Inhalt haben als die meine, dann kann er leicht meinen, es sei eine Offenbarung, oder?

Samstag, 11. Juni 2005: Brütende Frau
„Die Frau Bürgermeister brütet Eier aus für die Zeitung.” Diese Zeitungsüberschrift bleibt übrig von meinem Traum von heute morgen. Der Rest des Traums ist weg: Wo, wieso und welche Vogelart sind also nicht mehr herauszubekommen. Ohne Zweifel stand das alles im Artikel darunter. Aber jetzt steht nur dieser eine Satz im Raum und will mein Gedächtnis nicht mehr verlassen. Ein Bild gibt es dazu auch. Es war wohl die Bildzeitung, denn ein großes Farbfoto wurde mitgeliefert. Es zeigt eine Dame, die neben einer Art Eierkocher steht. Die gute Frau hat also nicht in Person mit ihrem Plisseerock auf die Eier Platz genommen. Ein Glück für die Jungvögel, für den Herrn Bürgermeister und für den Rock. Andererseits, so ein Gerät bringt den Einsatz um jeden Heroismus; man kann sich fragen ob es sich überhaupt lohnt, so etwas in der Zeitung zu melden.
Aber die Frau tut es extra für die Zeitung! Es ist keine Uneigennützigkeit, keine Vogelliebe, sondern Publizitätsgier. So sieht es wenigstens der Journalist, oder der Schlagzeilenmacher. Vielleicht hat ihr Mann sie angestachelt: Helga, mach du doch auch mal was; in sechs Wochen sind Wählen! Aber die Zeitung hat ihn durchschaut, und der Akt wird sinnlos und sogar kontraproduktiv.
Ist die Zeitungsüberschrift gutes Deutsch? Im Traum kann ich kein besseres Deutsch als im Wachen. Vielleicht geht es grammatikalisch noch, aber es fehlt dem Satz an Biß. Die richtige Bildzeitung hätte eine bessere Überschrift gehabt.
Warum kommt dieser Traum zu mir? Keine Ahnung.


Sonntag, 5. Juni 2005: Lärmbelästigung

Im Traum hatte ich Besuch in meiner Wohnung. Ein Gespräch führen war aber nicht möglich, weil das Radio des Nachbarn sehr laut spielte. Wir entschieden uns, die Wohnung zu verlassen, um wenigstens reden zu können.
Als ich die Tür des Nachbarn passierte, habe ich kurz bei ihm geklingelt, weil ich das so doch nicht hinnehmen wollte. Aber auch mit ihm konnte ich vor lauter Lärm nicht reden; wir wechselten schriftlich einige Sätze, auf einem Schreibblock. Er war nicht unfreundlich, aber verstand einfach das Problem nicht und kam auch nicht auf die Idee, wenigstens für die Dauer des Gesprächs das Radio leiser zu drehen. Ende Traum.
In Wirklichkeit war es so: ich war kurz vor sieben aufgewacht, hatte wie immer mein Radio eingeschaltet um vor dem Aufstehen noch in Bett die Nachrichten zu hören, war jedoch wieder eingeschlafen und erst gegen acht erneut aufgewacht. Die ganze Zeit spielte das Radio.
In Wirklichkeit hat mein Nachbar nie das Radio hörbar an, und auch sonst ist er sehr ruhig.

Samstag, 16. April 2005: Höhenangst
Das Zimmer meiner Jugend war im vierten Stock unterm Dach. Es war Teil des Daches; das Fenster war in dem Dach ausgespart. Aus dem Fenster guckend sah man einige Reihen Dachziegel, schief nach unten verlaufend. Dann kam eine schmale Dachrinne, danach das Nichts. Das ganze hab ich nie als beängstigend empfunden. Die Rinne war so schmal, daß sie mich nie zu gefährlichen Ausflügen verführt hat; das ging einfach nicht. Aber die Tiefe bedeutete mir damals nichts.
Heute morgen weckte mich ein kleiner Angsttraum. Er hatte keine Handlung, es passierte nichts, nur war da ein ähnliches Zimmer, so ein Dach, so eine Rinne. Aber die Dachziegel standen jetzt nahezu vertikal, die Rinne war noch schmaler, die Tiefe war tiefer. Und ich hatte Angst.
Man könnte meinen, das ist weil mir der soziale Absturz bevor steht. Aber das stimmt nicht, weil diese Höhenangst schon seit einigen Jahren läuft. Vielleicht war die erste Erfahrung damit während einer Wanderung am Rhein, nördlich von Bingen, wo die Abhänge steil waren.

Donnerstag, 7. April 200: Traum
Ich war zum Arzt gefahren, in ein Dorf etwas außerhalb. Auf dem Zurückweg stellte ich mich auf in dem Wartehäuschen und wartete auf den Bus. Ich hörte ihn kommen, er fuhr vor und verdunkelte das Wartehäuschen. Als ich auf ihn zu gehen und einstiegen wollte, sah ich den ganzen Bus nicht. Und sonst auch nichts. Ich war auf einmal blind geworden. Der Busfahrer wurde ungeduldig; habe ihn weiter fahren lassen. Ende Traum.

Dienstag, 5. April 2005: Traum
Ein Thema das sich in meinen Träumen immer wiederholt war heute Nacht wieder daran: jemand dringt in meine Wohnung ein.
Ich stand in der Küche und machte das Frühstück. Da sah ich einen jungen Mann aus dem Bad kommen, der lässig in Richtung Schlafzimmer lief. Ich ihm nach: es stellte sich heraus, daß er sich dort schon eingerichtet hatte, auch die Nacht bereits verbracht hatte ohne daß ich es gemerkt. Er meinte, ich habe gewollt, daß er bei mir einzog! Ich nahm seine Sachen und schmiß sie raus, und ihn selbst hinterher, in Unterhose.
Ich kannte den Junge: es war derjenige, der kürzlich einen Teppich bei mir verlegt hatte. Also, etwas mit Wohnung und einrichten hatte er schon zu tun.
Nein, ich hatte mich nicht heimlich in ihm verliebt.

Dienstag, 22. März 2005: Höhenangst
Den Traum gehabt, den ich öfters habe, in Varianten. Wollte mit dem Fahrrad einen kleinen Berg hoch. Kam nur sehr mühsam voran: die Ansteigung war groß, das Pfad felsig. Viel schieben müssen. Als das Pfad aufhörte, ging die Landschaft nicht weiter: hier ein Abgrund, dort das Meer. Konnte nur denselben Weg zurück nehmen. Aber wie? Nach unten fahren, nach unten schieben? alles unmöglich, zu steil. Dr. Freud läßt grüßen.
(Wenn ich das Rad zurück gelassen hätte, hätte ich vielleicht noch eine Chance gehabt. Aber auf die Idee kam ich nicht, im Traum.)

Freitag, 1. April 2005: Traum
Ich habe geträumt, daß meine Schwester Leberkrebs hatte und daran zu Grunde ging. In Wirklichkeit ist sie aber vor mehr als ein Jahr durch einen Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Ihre Leber war meines Wissens in Ordnung. Warum solche Träume?

Montag, 14. März 2005: Traum
Die ‘Hauptstadt’ einer französischen Kolonie irgendwo im hohen Norden: Kanada? Zehn richtige Häuser, dazu Baracken, Scheunen. Die Kolonie ist viel größer als das Mutterland, hat aber nur 200 feste Einwohner; dazu noch Soldaten und Arbeiter. Unter ihnen ist ein Fremder, 1.90 hoch, sieht aus wie Nasser, zu fein eigentlich, trägt einen braunen Anzug aus Kunststoff. „Ich hasse die Engländer, ich hasse die Ägypter,” sagt er unaufgefordert. Er scheint arg isoliert zu sein, hat auch keinen eigenen Platz zum Wohnen. Hängt herum in der Kantine, die hier als Restaurant dient.
Der Traum verfolgte noch die Straße, die aus die Siedlung herausführt, in beide Richtungen. Zwei recht kurze Strecken. Passieren tat weiter nichts; es gab keine Handlung.

Montag, 28. Februar 2005: Traum
Ich spazierte mit meinen Freunden R. und B. durch eine Vorstadtlandschaft. Da sah ich, wie ein kleines Kind, ein Baby noch, ins Wasser fiel. Ich schrie: „Hilfe! Hilfe!”, aber keiner kam. R. und B. waren auf einmal auch nicht mehr da. Da dachte ich: Ich kann es doch auch selber herausholen, und das tat ich. Es war gar nicht schwer: das Wasser war klar und noch kein Meter tief. Nachdem ich festgestellt hatte, daß das Kind noch atmete, brachte ich es zu den Häusern, wo es wahrscheinlich herkam. Heimlich hatte ich erwartet, dort mit großer Freude empfangen zu werden, aber dem war nicht so. Die Mutter des Kindes war gar nicht da; eine andere Frau nahm es entgegen, als ob es selbstverständlich wäre.
(Das Kindchen, war ich das auch?)

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