Marburg

Möglicherweise bekomme ich einen Job in Marburg. Deshalb bin heute mal hingefahren, um einen Eindruck von der Stadt zu bekommen. Nun, Liebe auf dem ersten Blick war es nicht.
Die geographische Lage ist merkwürdig. Mit Frankfurt ist es gut angebunden, wenigstens mit der Bahn. Der Rest der Republik scheint auf einmal viel weiter. Kassel, Hannover, Hamburg, Berlin, das geht noch. Aber Köln, der Westen, der Süden, der Osten, Bayern, alles läuft über Gießen oder sogar Frankfurt und dauert einfach eine Stunde länger.
Mit dem Auto sind die Verbindungen mäßig. Keine Autobahn.
Die Marburger Altstadt ist ein Juwel, das ist klar. Aber heute wollte ich kein Tourist sein. Die Uni ist ein alt gewordener Neubau, eingeklemmt zwischen der verfehlten Autobahn und der Eisenbahn. Ärmlich, geschmacklos, wie deutsche Unis halt sind. Die UB ist sehr in Ordnung; ich habe im Katalog raffinierte und anspruchsvolle Stichproben genommen.
Ach, diese Bundesstraße. Weil die Stadt in einem Tal liegt und die Straße die Stadt durchschneidet, hört man das Ding an vielen Orten. Schade.
Lebensmittelhändler habe ich nicht gesehen. Die Bevölkerung wirkt aber nicht unterernährt. Weil die Stadt doch ein wenig eng ist und ich nicht unbedingt in meiner Freizeit auch Studenten sehen möchte, hatte ich gleich an außerhalb wohnen gedacht. Zwei Dörfer habe ich mir angeschaut. Cölbe sieht aus wie eine geschlossene Dorfgemeinschaft; für meinesgleichen wäre es sozialer Selbstmord, dort wohnen zu wollen. Wehrda ist besser, dort wohnen sicherlich viele Stadtmenschen, aber es wäre mir doch zu beschaulich. Das Südviertel von Marburg ist sehr schön zum Wohnen, aber wohl zu teuer für mich. Das waren nur ein Paar Versuche; später müßte ich die Gegend mal systematisch abklappern.
In weiter Umgebung gibt es keine anderen Zentren. Das bedeutet höchstwahrscheinlich, daß die Bevölkerung sein bestes tun wird, aus ihrer isolierten Lage etwas Schönes zu machen.
Burschenschaften machen sich bemerkbar, sie haben große Häuser. Aber das allgemeine Bild der Studenten ist eher links, oder post-links.
Es wimmelt übrigens von evangelischen Kirchen allerlei Couleur. Ein frommes Völkchen.
Als ich auf dem Zurückweg wieder an Gießen vorbei kam fiel mir der Kontrast auf. Gießen mag keine Schönheit sein, aber es sieht modern aus, lebendig, an der großen Welt angeschlossen. Marburg wirkt etwas alt, als ob es seit zwanzig Jahren kein Geld mehr hat.

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