Osthäppchen

In Le progrès égyptien standen immer die kulturelle Veranstaltungen annonciert, die die Botschaften der europäischen Staaten organisierten. Der Zutritt war frei. So konnte man auch als Student mal in Konzerte gehen, zu Filmfestivals oder zu Vernissagen, bei denen das interessanteste oft war, dass dort auch Häppchen serviert wurden. Leckere Häppchen hatten die Italiener, aber auch das Herder Institut, das zur Botschaft der DDR gehörte. Dieses Institut hatte deutlich die Absicht, es den ägyptischen Studenten angenehm zu machen und unter ihnen Anhänger zu gewinnen. Dass auch Nicht-Ägypter die Häppchen genossen, wurde weniger geschätzt. Das Personal hatte Sprechverbot: Die kalten blonden Schönheiten konnte man nicht einfach so anreden; sie sagten kein Wort zurück, und schon gar nicht wenn man sie später irgendwo in der Stadt sah.
Es war aus einer gewissen Langeweile, daß auch ich ein, zwei Mal ins Herder Institut gegangen war. Später habe ich das bedauert, denn sie hatten mich wohl auf einer Liste zur Beobachtung eingetragen; das wurde noch lästig.
Die DDR hatte auch eine Propaganda-Zeitschrift auf Arabisch, die kostenlos verteilt wurde. Was darin stand, weiß ich nicht mehr; sie war aber bei den Studenten beliebt wegen den cover girls. Das muß man in Leipzig doch gewusst haben: Eine kräftige, blonde Traktoristin in kurzen Arbeitshosen auf dem Umschlag, das kam in Ägypten herüber wie reine Pornographie. Das Blatt wurde weiter nicht ernst genommen, die Fotos um so mehr.
Es gab Studenten, die die gesammelten Schriften von Marx und/oder Lenin auf Deutsch besaßen, und das waren viele Bände. Ich nehme an, daß auch die aus dem Herder Institut stammten. Deutsch lesen konnten sie aber nicht. Im Nachhinein waren das vielleicht gerade die Studenten, die irgendwie als Spitzel tätig waren. Nun, wer war das nicht in Ägypten? Aber es machte doch ein Unterschied, ob es einfach für den ägyptischen Geheimdienst war oder für die DDR. Die waren noch schlimmer als die Russen, hieß es.
Und jetzt käme ich zu einem peinlichen Erlebnis mit so einem Spitzel, so peinlich, daß es sogar mit zu meiner verfrühten Abreise geführt hat. Aber jetzt fühle ich mich gehemmt; nein, das kann ich nicht aufschreiben. Politisch und geheimpolizeilich ist die Sache längst entschärft, da war auch nicht viel; aber oh Mann, da werde ich innerlich auf einmal sehr unruhig; heftiger Widerstand.
(Nein, es ist nicht gut geschrieben, aber darum geht es jetzt nicht. Erst mal aufkommen lassen, umschreiben kann immer noch.)

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